header
ARCHIV

09. April 2017

Erfahrungen Wohnmobil Solaranlage

Vor meiner Solaranlage auf meinem Wohnmobil, war mein Erfahrungsstand was Solarenergie betrifft gleich 0.

Wohl war mir bekannt wie in etwa Photovoltaik funktioniert, jedoch hatte ich keine Kenntnis über die Vielfalt der einzelnen Komponenten.

Auch war mir das Zusammenspiel von Solaranlage, Batterieladegerät und Lichtmaschine unbekannt. Ich fand auch kaum bis gar keine Informationen darüber, also galt es dieses herauszufinden.

Heute bin ich um einige Ecken schlauer und möchte anderen dieses Wissen nicht vorenthalten.

Wohnmobil Solaranlage

Mein Solarmodul war ein Monokristallines mit 100W und einem maximalen Ladestrom von 5,5A. Es gibt noch Polykristalline und flexible Module. Die einzelnen Bauarten arbeiten geringfügig unterschiedlich, diese sind so geringfügig, so das sie bei kleinen Anlagen vernachlässigbar sind. Ein kleines Beispiel zur Begründung. Monokristallines oder Polykristallines Modul? Monokristalline Module arbeiten bei guter Sonneneinstrahlung minimal besser als Polykristalline. Dafür Polykristalline besser bei Teilbeschattung des Moduls, als Monokristalline. Ich würde sagen ein Polykristallines könnte somit im Endeffekt besser sein. Denn wer steht schon gerne mit dem Womo in der prallen Sonne?! Aber die Unterschiede liegen wohl nur im mA Bereich, also im Prinzip vernachlässigbar. Man könnte jedoch auf ein preisgünstigeres Polykristallines Modul zurückgreifen.

Mein Laderegler war ein PWM Regler. mit maximal 30A. Also eigentlich für mein Modul absolut überdimensioniert. Mein Gedanke war, sollte das 100 Watt Modul nicht ausreichen, so könnte ich meine Anlage erweitern ohne auch den Regler tauschen zu müssen. Ein weiterer Vorteil war das sich der Regler durch die "Unterforderung" kaum erwärmte, was Regler wohl bei Vollast tun. Und es ging wahrlich nur um 15€ die der größere Regler teurer war als ein kleinerer.

Wohnmobil, Solaranlage, Laderegler

Auch bei den Reglern gibt es unterschiedlich Bauarten, PWM und MPPT. Der MPPT ist wohl dabei der bessere, aber auch der erheblich teurere. Da kommen schnell mal einige 100€ mehr zusammen. Auch hier liegt der Gewinn wieder nur im mA Bereich. Sollte eine Anlage mit einem PWM Regler nicht genügend Leistung liefern, so wird das ein MPPT auch nicht heraus reißen. Wohl erst wieder bei echt großen Anlagen, die im kW Bereich arbeiten und Gewinnorientiert arbeiten müssen, wird ein MPPT Regler Sinn machen. Aber bei einer Wohnmobil Anlage wohl eher nicht, bei der ich den geringen Gewinn eines MPPT Regler, günstiger mit einem weiteren Solarmodul mehrfach ausgleichen könnte.

Mein Akku war eine handelsübliche Blei-Säure Batterie, mit 70Ah. Hier könnte man auch eine Gel-Blei Batterie verwenden. Eine Gel-Blei Batterie ist besser für den Innenraum geeignet, das sie nicht ausgast und allgemein der Betrieb sicherer ist. Aber auf keinen Fall eine AGM Batterie, die den Ladevorgang zu einem kleinen Geldfresser gestaltet. Spezialladegerät und Ladebooster sowie hohe Batteriekosten kann man sich schlicht und ergreifend sparen, wenn man auf AGM verzichtet. Denn was hinten heraus kommt ist auch nur Strom.

Wohnmobil, Versorgerbatterie

Mein Batterieladegerät war ein Automatikladegerät, mit einem Ladestrom von 4A und 3 Lademodis. Das Teil hat mich 30€ gekostet. Seine Aufgabe war es, sobald 220V am Fahrzeug anliegen, die Batterie zu laden. Wichtig war das dieses abschaltet, sobald die Batterie voll geladen ist und sich wieder aktiviert, sobald dies notwendig sein sollte, ohne das ich dies überwachen muss. Ladezustände wechselte es eigenständig, erst schnell laden, um die Batterie genügend zu puffern wechselte es bevor die Batterie voll war in langsam und schonend laden. War der Akku voll, wechselte es in den Erhaltungsmodus. Mehr braucht man nicht, oder?

Wohnmobil, Batterieladegerät

Meine Lichtmaschinen Energie kam von meinem Ford Transit. Meine Versorgerbatterie war am Entnahmepunkt im Motorraum angeschlossen. Das sollte man so machen um die Fahrzeugelektronik zu schützen. Lediglich die Masse habe ich direkt an der Starterbatterie angeschlossen, da die Masse der Starterbatterie, direkt mit der Karosserie verbunden war und somit keine Gefahr für die Elektronik darstellt.

12 Volt Entnahmepunkt Motorraum

Meine Bedenken lagen darin, wie agieren Laderegler, Batterieladegerät und Lichtmaschine miteinander.

Solaranlage und Lichtmaschine, war dabei eine unvermeidbare Kombination.

Wenn ich den Motor, ohne arbeitende Solaranlage gestartet habe, lag die Ladespannung bei ca 14,2 Volt. Die Solaranlage lieferte, wenn sie gearbeitet hat zwischen 13,9 Volt und 14,1 Volt.

Was passiert nun wenn ich zur arbeitenden Solaranlage den Motor starte? Das war eine kleine Zitterpartie! Also Motor gestartet und gleich nach hinten den Laderegler beobachtet. Und es passierte nichts ...!

Lediglich der Laderegler der Solaranlage hat sich der Ladespannung der Lichtmaschine angepasst, hat aber munter weiter geladen. Der Laderegler der Solaranlage ist wohl so "intelligent", das er erkannte das die Batterie nicht voll geladen ist, auch wenn die Ladespannung der Lichtmaschine dies suggerieren könnte.

Jetzt die Kombination Solaranlage und Batterieladegerät. Das Batterieladegerät hat begonnen zu laden, hat sich aber nach wenigen Sekunden abgeschaltet. Da wohl die Ladespannung der Solaranlage dem Batterieladegerät vorgegaukelt hat, die Batterie sei voll.

Dabei belies ich es erst einmal, ich hatte nicht den Mut alle 3 Kombonenten miteinander zu testen. Seltener wird man auch mit angeschlossener 220V Versorgung herumfahren.

Nach einigen Wochen siegte dann aber die Neugier. So startete ich den Motor, während die 220V Versorgung angeschlossen war und die Solaranlage arbeitete. Ich rechnete mit allem, ein Teil wird schon "abrauchen". Aber es funktionierte, nichts gab eine beunruhigende Error Meldung von sich, noch erwärmte sich ein Teil abnormal. Das Batterieladegerät dümpelte im Erhaltungsmodus, der Solarladeregler passte sich der Ladespannung der Lichtmaschine an. Also, alle Sorgen waren unbegründet.

Wie effektiv war nun meine Solaranlage?

Mein Solarpanel könnte 5,5A Ladestrom liefern, das hat es aber nie erreicht. Aus dem Speicher des Ladereglers konnte ich einen maximal Strom von 3,5A auslesen. Das lag aber eher nicht an der Anlage, eher daran das ich nicht mehr Ladestrom benötigte.

Meine Verbraucher waren, zwei 1,2 Watt LED Strahler, TV Anlage, Wasserpumpe und evtl. die Umluftheizung. Die TV Anlage habe ich nur genutzt wenn ich länger am gleichen Ort gestanden habe. Das war meist der Fall wenn ich mein Wohnmobil beruflich genutzt habe. Dann kam es vor das ich 4-5 Tage an einer Stelle stand ohne auch nur einen Meter zu fahren. Meistens hatte ich keinen Zugriff auf eine 220V Versorgung. Wohl hätte ich die Möglichkeit gehabt, aber dann wäre der Standplatz nicht so schön gewesen.

Kaum ist am Morgen die Sonne über den Horizont gestiegen, hat sich der Laderegler der Solaranlage aktiviert. Anfänglich pendelte dieser noch zwischen 0,0 und 0,1A Ladestrom. Aber dieser erhöhte sich kontinuierlich und 2-3 Stunden später schaltete die Anlage wieder ab und wechselte in den Wartungsmodus. Die Versorgerbatterie war also wieder voll geladen. So konnte die Solaranlage auch nie ihre volle Leistung entfalten. Im Winter dauerte der Ladevorgang dann auch mal bis Mittags. Wohl auch bedingt durch die Heizung die ab und an wieder an der Batterie nuggelte. Aber auch durch die schlechtere Einstrahlung der Sonne auf das Panel, war der Ladestrom nicht ganz so hoch wie im Sommer.

Also meine Solaranlage war absolut ausreichend um meinen Verbrauch den ich über Nacht hatte zu kompensieren. Über Tag stellten Entnahmen gar kein Problem dar, diese wurden direkt von der Solaranlage ausgeglichen. Durch meine fest verbauten Voltmeter hatte ich den Batteriezustand auch immer unter Kontrolle. Die Voltzahl sank nie unter 12,1 Volt, das war eine "magische Grenze". Der Batteriewächter, der bei 11 Volt eingestellt war hat nicht ein mal reagiert und war eigentlich absolut unnötig, nachdem ich meine Solaranlage in Betrieb genommen hatte.

Meine Solaranlage hätte auch für einen größeren Akku und höhere Entnahmen ausgereicht. Deshalb kann ich heute mit ruhigem Gewissen sagen, eine 100 Watt Solaranlage reicht um einen 100Ah Akku zu speisen unter Berücksichtigung der maximal Entnahme von 50%.

Meine Anlage kostete komplett runde 300€ inkl. Batterie und Befestigungsmaterial. Eine lohnende Investition die mich absolut Autark machte und auf die ich nicht mehr verzichten möchte.

         
3 Bewertungen Ø5

Kommentar verfassen

Avatar
Name
Kommentar
Sicherheitscode
Friederike schrieb am 26.09.2017 um 23:27:04 Uhr
Wir sind *glücklich*
Unsere Solaranlage arbeitet seit genau 30 Tagen und sie ist perfekt! Besser als ich es jemals erhofft hatte. Laut unserem Laderegler verbrauchen wir nicht mehr als 15 Ah in der Nacht. Obwohl wir schon die Heizung laufen hatten die aber sehr selten anläuft. Selbst bei Regen erzeugt unsere Anlage genügend Leistung so das die Batterien wieder geladen sind.
Selbst nach 10 Tagen Standzeit war unser Stromvorrat immer noch bei 100 %. Nur eine Sache ist nervig, das Display des Ladereglers zieht magisch an. Spätestens nach 5 Minuten muss man alle Daten überprüfen smiley und freut sich wie ein Kind dabei.
Uwe schrieb dazu am 29.09.2017 um 22:51:48 Uhr
Hallo
Toll wenn eure Solaranlage funktioniert. Die Sucht dem Laderegler nahe zu sein kenne ich auch. Bei mir hat das aber dann nachgelassen. Nach einigen Wochen reichte mir der tägliche Blick aufs Display aus.
Friederike schrieb am 06.08.2017 um 12:01:59 Uhr
OK, das mit den Sicherungen hatten wir so nicht bedacht.
Wir haben für den Notfall einen akkubetriebenen LED Baustrahler, Leuchtdauer 12 Stunden. Dieser kann über 12V und 230V geladen werden. Bei einer Reifenpanne oder ähnlichen Gelegenheiten leistet der bestimmt gute Dienste.

Gestern sind die Solarpanel angekommen, wir sind gerade bei der Montage.
Friederike schrieb am 01.08.2017 um 21:50:31 Uhr
Genau das war meine Unsicherheit. Wenn der Preisunterschied nicht so gewaltig ist, dann könnte es sich um ein Quaitätsmerkmal handeln. Aber wenn die Kosten in zwei Hemisphären liegen kommt man ins Grübeln.
Wir haben uns jetzt eine Anlage zusammen gestellt. Drei Module mit jeweils 100 W, die bekommen wir auf unser Dach zwei längs und eines quer. Einen MPPT Regler 40 A mit externen Bedienteil und Android App und zwei 100Ah Blei-Gel Batterien. Gesamtpreis mit Zubehör 900€, das liegt noch unter unserem angedachten Budget.
Die Batterien wiegen jedoch zusammen 54 kg !

Jetzt meine Rechnung
Unser Verbrauch dürfte 100 Ah betragen. Die angedachte Solaranlage kann 16,5 A liefern. Diese benötigt demzufolge ca. 8 Stunden (Faktor 1,3) um die Batterien wieder zu laden. Das ist natürlich eine absolut naive Rechnung, aber sie beschreibt die äußersten Bedingungen.
Schalten wir ALLE Verbraucher ein, benötigen wir bis jetzt ~8 Ampere (laut Hersteller Angaben), diese könnten somit 12,5 Stunden laufen bis die 100 Ah verbraucht wären. So hattest du auch gerechnet.
Das hört sich alles einfach zu gut an smiley
Uwe schrieb dazu am 02.08.2017 um 22:16:20 Uhr
Das klappt wunderbar, wirste sehen. Ihr werdet im Sommer satt Überkapazität haben, die im Winter natürlich dahin schmilzt. Aber es wird funktionieren, solange der Himmel für ein paar Stunden am Tag "offen" ist. Meine hat auch geladen wenn der Himmel eine geschlossene Wolkendecke im Winter war. Zwar nur wenig, unter 1A aber das hat gereicht um die Heizung zu betreiben, die 4-5X in der Stunde angesprungen ist.

Ich hatte im übrigen auch eine Notbeleuchtung, die über Akkus betrieben wurde. Einfach zur Sicherheit, die kam aber nie als Notbeleuchtung zum Einsatz. Apropos Akkus, so habe ich darauf geachtet das alle Akkubetrieben Dinge die gleichen Akkus benötigen. So hatte ich immer 2-3 Satz geladene Akkus parat, die ich überall einsetzten könnte. Und da fällt mir noch was ein. Ich habe größtenteils alles mit der gleichen Sicherungsbauart abgesichert. Also Sicherungen aus dem Sicherungskasten meiner Transe hätten auch in meine fliegenden Sicherungen gepasst und umgekehrt. Lediglich, der Hauptverteiler für 12V hatte andere, als ich den gekauft habe war der Gedanke, überall die gleichen Sicherungen zu verwenden noch nicht ausgebrütet. Aber gut mit 2 gängigen Bauarten kann man noch leben. Aber Exoten absolut vermeiden. Und das hab ich schon gesehen, wo Sicherungen im Einsatz waren die man nicht an der Tanke oder der Werkstatt bekommt, sondern im Hifi Fachhandel beziehen muss.
Friederike schrieb am 28.07.2017 um 13:19:52 Uhr
Du gibst an deine Anlage hat 300€ gekostet, im WWW finden sich Berichte über Womo-Anlagen die locker einige Tausend Euro verschlungen haben. Ich kann diese nicht unerhebliche Kostendifferenz nicht nachvollziehen. Wir planen ebenfalls eine Solaranlage für unser Wohnmobil, aber es entstehen immer mehr Zweifel und Fragen je weiter man in die Materie eintaucht.
Uwe schrieb dazu am 28.07.2017 um 17:22:14 Uhr
Hallo

Du hast keine eindeutige Frage in deinem Kommentar gestellt. Das macht eine Antwort schwierig und umfangreich.
Aber ich kann mir denken auf was du hinaus willst.
Welche Faktoren rechtfertigen den erheblichen Preisunterschied zwischen einer 300€ und z.b. einer 3000€ Solaranlage bei annähernd gleicher Leistung!?
Eigentlich müsste die 3000€ Solaranlage die 100fache Leistung liefern als eine 300€ teure. Das macht sie aber nicht, im besten Fall ist sie 5% effektiver. Betrachtet man die einzelnen Kompnenten genauer erschliesst sich schnell wo der "Hase im Pfeffer begraben liegt". Die Highendanlagen arbeiten "seltsamerweise" mit den preislich gleichen Solarpanels wie eine günstigere Variante. Die Panels sind aber auch der entscheidente Faktor. Nur das was ich "oben" einspeise kann "unten" ankommen. Da kann ich noch so viele Prozzesoren und Sensoren verwenden es wird nicht mehr. Jetzt liegt die Preisspanne bei Ladereglern auch zwischen "Gut und Böse". Trotz gleicher Anschlussleistung liegen viele 100€ zwischen einigen Varianten. Dabei arbeitet unbestritten, der eine minimal besser als der andere. Aber der Preis legt eine brutale Krätsche hin. Bei den Akkus das gleiche Bild, unteres Segment Blei-Säure 90Ah für 100€, oberes Segment LiFePO4 90Ah für schlappe 1200€. Natürlich, ist der Highend Akku besser, viel besser, aber auch beim Preis smiley.
Die Solarpanel sind der Schlüssel zur Antwort. Solarpanel ansich sind schon lange nicht mehr Patentfähig und solange sich die Bauart auch nicht grundlegend ändert wird das auch so bleiben. Bei den anderen Komponenten ist das etwas anders, es werden laufend neue Laderegler entworfen und gebaut. Diese sind unbestritten besser, aber das hält sich absolut in Grenzen. Bei den Akkus sieht das genauso aus, auf dem LiFePO4 Akku liegt noch ein Patent. Ist dieser einmal nicht mehr Patentfähig, wird der Preis in den Keller stürzen.
Du wirst mit einer günstigen Anlage genauso gut arbeiten können wie mit einer Highendanlage. Dimensioniere deinen Laderegler einfach etwas größer und halte dir die Option für ein weiteres Panel offen. Das muss nicht einmal zwingend auf dem Fahrzeugdach platziert sein, ein zusätzliches Panel bei Bedarf neben dem Fahrzeug wäre ja auch denkbar. Wenn du aber deinen Stromverbrauch ordentlich kalkulierst wird das nicht nötig sein. Kleine Überlegungen können große Wirkung haben, 2 getrennte Lichtschalter halbieren zb. den Stromverbrauch oder Standby bei Geräten vermeiden. Das gilt aber genauso bei den teuren Varianten.
©2017 Uwe Neumayer, Angerweg 8, 66954 Pirmasens, uweneumayer@freenet.de Nutzungsbedingungen; Hintergrundbild: frager / pixelio.de