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25. Februar 2017

Adieu, treuer Freund!

Diese Geschichte beginnt schon Mitte 2015.

Ein junges Paar, beide knapp über 20 Jahre, konnten den Ausbau meines Transit mehr oder weniger hautnah mit erleben. Ohne das ich es bemerkt hätte, beobachteten sie meine Tätigkeit durch ihr Schlafzimmer Fenster.

Wenn gutes Wetter war so habe ich mein Gefährt erst gar nicht in die Werkstatt gefahren sondern lies es davor auf der Straße stehen. Die meisten "Handlungen" musste ich eh außerhalb des Fahrzeug vorbereiten. Mal was ausmessen oder die Passgenauigkeit prüfen konnte ich auch so.

Immer wieder sah ich das Pärchen an meinem geöffneten Tor vorbei gehen und bei einem freundlichen Gruß, riskierten beide einen tieferen Blick ins innere. Im musste etwas schmunzeln, ihr Interesse war offensichtlich erkennbar, aber sie hatten nicht den Mut mich anzusprechen. Ich hätte nichts gegen einen kurzen Plausch einzuwenden gehabt, aber gut.

Nach meiner ersten Fahrt, die mich an den Bostalsee führte, man konnte wohl meine Aktivitäten wahrnehmen. Hatten sie dann alle Kräfte gesammelt und haben mich angesprochen. Ich erfuhr das sie leidenschaftliche Camper seien. Sie aber mit dem Zelt unterwegs sind.

Sie hätten schon oft Wohnmobilisten beneidet, da diese unabhängiger und flexibler seien. Wir haben dann lange argumentativ gefachsimpelt. Ihr Favorit war natürlich ein T3 VW Bus und der junge Mann raufte sich die Haare als er über die Preise zu sprechen begann. Einen Selbstausbau traute er sich nicht zu. Ich bot natürlich meine Hilfe an, aber er zweifelte an seinen Fähigkeiten.

In den folgenden Wochen bekam ich immer wieder Besuch von den beiden. Ich zeigte ihnen meine Fortschritte und erklärte ihnen meinen genauen Plan. Bis auf die Schranktüren und einige Verkleidungsteile war mein Wohnmobil soweit "fertig". Alles andere wie TV und Solaranlage waren ja nicht Betriebsnotwendig. Ein größeres Projekt das noch anstand war der Abwassertank, den ich aber immer wieder vor mir her schob. Auch berichtete ich ihnen von meinen Fahrten.

langsam aber Sicher brachten die beiden den Gesprächsverlauf bei unseren Treffen in die von ihnen gewünschte Richtung. Bis eines Tages die direkte Frage gestellt wurde ob ich meinen Transit nicht vielleicht verkaufen wolle. Peng ...

Ich hatte schon irgendwie bemerkt das sich die beiden in meine Transe "verkuckt" hatten, aber das es so weit kommen würde war keine Option für mich.

Ich machte ihnen verständlich das ich nicht verkaufen möchte, zu mal der Innenausbau noch nicht ganz abgeschlossen sei. Das war aber schon wieder ein unbeabsichtigter "Wink" von mir in die falsche Richtung. Es wurde auch über einen hypothetischen Preis gesprochen, aber immer mit dem Hinweis das ich nicht verkaufen möchte.

Ich fühlte mich etwas in die Ecke getrieben, tut mir leid aber es war wirklich so. Die eigentlich schönen Besuche ließen dann auch nach.

Eines schönen Tages hielt ein Feuerroter Transporter vor meiner Werkstatt. Der junge Mann stieg aus und führte mir ihre neue Errungenschaft vor. Ein schöner Ford Transit MK4 mit einem Reimo Ausbau. Stolz wie ein Goggel führte er mir den wirklich gepflegten Wagen vor. Wir verabredeten auch eine gemeinsame Fahrt zu unternehmen, zu der es leider wegen terminlichen unterschieden bis heute nicht gekommen ist. Wir hatten immer wieder Kontakt und berichteten uns von unserem Ausritten.

Ende 2016, dann wieder ein Treffen. Diesmal war ein befreundetes Pärchen der Besitzer des feuerroten Spielmobils dabei. Diese haben sich im Sommer für Camping begeistern lassen. Haben sich kurzerhand ein Wohnmobil gemietet und sind gemeinsam in Urlaub gefahren. Jetzt schauten sie sich auch nach einem derartigen Gefährt um, die Jahreszeit war ja günstig dafür. Das Gespräch verlief dann wieder in die Richtung eines Verkaufes meiner Transe. Es war eigentlich nicht in meinem Plan mein Wägelchen zu veräußern. Aber ich hatte zwischenzeitlich neue Ideen für einen Ausbau, und der Fortschritt meines Ausbaus hatte nicht mehr viel potential für schöne Basteltätigkeiten. Wenn also der Preis stimmt dann könnte ich es mir vorstellen.

Jetzt lag aber erst einmal neuer Tüv an, ein Spurstangengelenk musste getauscht werden. Ich hatte viel Zeit zum nachdenken. Noch einige kleinere Ausfahrten unternahm ich. Ich hatte aber das Gefühl ich tue was unrechtes wenn ich meine Transe hergeben würde. Anderseits hätte ich den Raum für neues ...

Ende Januar 2017 war ich dann soweit, ich nahm Kontakt zu meinen Nachbarn auf. Teilte ihnen meinem Preis mit zu dem ich bereit sei meinen Wagen in andere Hände zu geben. 30 Minuten später war ein Termin fürs Wochenende mit dem befreundeten Pärchen vereinbart.

Wir feilschten dann noch etwas am Preis der sich gering unter meinem Startpreis einpendelte. Ausschlaggebend war auch für mich das die neuen Besitzer einen guten Eindruck auf mich machten. Ich möchte hier jetzt nicht den Preis veröffentlichen, denn er ist eigentlich zu niedrig, aber realistisch. Alleine schon da ich den Preis des anderen älteren Transit kannte. Der "nur" einen Reimo Ausbau hatte und fast 10 Jahre älter war als meiner. Auch war dieser nicht Isoliert und es war noch viel Blech im Innenraum zu sehen. Vorteil jedoch waren Drehkonsolen an den Vordersitzen und die fehlende Trennwand. Aber meiner war für Hundebesitzer gebaut, und das waren diese ebenfalls.

Ich hatte in den letzten Tagen schon Abschied genommen, ihn leer geräumt und mir nochmals alles genau angesehen. Beim leerräumen dachte Aron das wir jetzt auf "Tour" gehen, da die Handlungen ähnlich waren nur in die falsche Richtung gingen. Er hilt sich immer in meiner Nähe auf, damit ich ihn ja nicht vergesse.

Nach 2 Jahren 4 Monaten und 45000 km nahm ich Abschied. Es viel mir wirklich nicht leicht. Ich musste noch alle Funktionen genau erklären und parallel zu meinen Ausführungen dachte ich über die Anfertigung jedes einzelnen Teils nach. Multitasking vom feinsten ... Und natürlich hatte die Sache auch einen "Spirit" wie sollte es auch anders kommen. Beim ersten Startversuch der neuen Besitzer griff der Anlasser nicht in die Verzahnung der Schwungscheibe, als wolle er nicht "von mir gehen". Beim zweiten Versuch funktionierte es dann. Es trieb mir das Wasser in die Augen, selbst jetzt beim schreiben durchlebe ich es nochmals.

45000 km hat mir mein "kleiner" Freude gebracht. Nicht einmal hat er gemuckt oder mich im Stich gelassen. Jede einzelne Schraube habe ich mit Freude und Liebe verbaut, alle Teile aufs µ (Mü) angefertigt, alles sollte perfekt sein und wurde es auch. Ich habe vermieden schneller als 100 km/h zu fahren. Immer schön nach Öl und Wasser geschaut und immer die "Lebenssäfte" vorzeitig gewechselt. Tschüsss, es war schön mit dir. Und dein jetziger Sinn geht weiter, bereite ihnen schöne Stunden ...

Ford Transit Wohnmobil, Bostalsee
Ford Transit Wohnmobil, Bodensee
Ford Transit Wohnmobil, Rüdesheim
Ford Transit Wohnmobil, Mittelrhein
Ford Transit Wohnmobil, Odenwald
Ford Transit Wohnmobil, Hochfirst Schwarzwald
Ford Transit Wohnmobil, Titisee Schwarzwald
Ford Transit Wohnmobil, Blumberg Schwarzwald
Ford Transit Wohnmobil, Verdun Frankreich
Ford Transit Wohnmobil, Österreich
Ford Transit Wohnmobil, Italien
Ford Transit Wohnmobil, Gardasee Italien
Ford Transit Wohnmobil, Bitburg Stausee
Ford Transit Wohnmobil, Bostalsee
Ford Transit Wohnmobil, Sachsenhausen
Ford Transit Wohnmobil, Mecklenburg Vorpommern
Ford Transit Wohnmobil, Ostsee
Ford Transit Wohnmobil, Brandenburg
Ford Transit Wohnmobil, Thüringen
Ford Transit Wohnmobil, Elsaß
Ford Transit Wohnmobil, Versailles Frankreich
Ford Transit Wohnmobil, Vogesen Frankreich

         
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Kai J. schrieb am 09.07.2017 um 18:22:46 Uhr
Hallo,
es macht Spaß Deine Seite anzusehen und die Berichte zu lesen. Ich mache mich nächstes Wochenende an ein ähnliches Projekt. Ich baue meinen Handwerker Transit L1 H1 zu einem Mobil um. Der Umbau wird etwas anders werden, da ich die Teile immer wieder raus nehmen muss wegen der Arbeit.

Viel Erfolg bei der Suche nach einem Nachfolger.
Uwe schrieb dazu am 09.07.2017 um 22:33:22 Uhr
Hallo Kai

Dir auch viel Erfolg bei deinem Ausbau!

Gruß Uwe
Wope schrieb am 04.07.2017 um 12:38:59 Uhr
Hallo Uwe,
das ist ja traurig. Da bin ich nach langer Zeit mal wieder auf Deiner Website und muß lesen, daß Du Dein Büschen verkauft hast!...
Schade. Ich habe mich immer gerne hier herumgetrieben und Neuigkeiten bzgl. Deines großartigen Ausbaus gelesen oder über Deine Fahrten...
Ich hoffe, Du bereust es nicht wirklich!
Beste Grüße, Wope
Uwe schrieb dazu am 08.07.2017 um 12:45:46 Uhr
Wenn gutes Wetter ist bereue ich es schon! Ich bin aber auf der Suche nach einem neuen. Nur meine Messlatte liegt sehr hoch. Es wird also weiter gehen...
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