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28. Januar 2017

Neues 'altes Hobby'

Schon in meiner Jugend habe ich mit der Funktechnik beschäftigt. Damals bin ich durch einen Freund zum CB-Funk gekommen. CB-Funk ist nicht besonders von Technik geprägt, aber man kann die ersten Erfahrungen sammeln. Und man hatte, in den damals noch Handy freien Zeiten ein recht gutes Kommunikationsmittel unter Freunden. Denn nach und nach lies sich jeder dafür begeistern.

Es kam sogar noch besser, man hat neue Freunde gefunden. Aus denen sich Freundschaften entwickelten, die bis zur heutigen, funkfreien Zeit anhalten.

Selbst meinen Bruder erfasste der CB Virus. Als wir zuhause ausgezogen waren, musste nur noch das vorhandene Equipment den Standort vom Kinderzimmer in Küche wechseln und schon war meine Mutter mit eingebunden. Sie nutze die Technik aber nie wirklich als Freizeitbeschäftigung. Vielleicht "lauschte" sie etwas, aber ihre Stimme war so gut wie nie im Äther zu vernehmen.

Wir wussten schon von der gehobeneren Funk-Klasse dem Amateurfunk. So war es auch möglich unter der Ladentheke Geräte zu erwerben deren Besitz zur damaligen Zeit eine Lizenz erforderte, oder gar gänzlich nicht zugelassen waren. Nur für das "lauschen" der Amateurfunkbänder musste man zu dieser Zeit eine vereinfachte Prüfung ablegen und eine Lizenz erwerben.

Ich habe mich zu dieser Zeit schon mit der Afu Lizenz beschäftigt, musste aber schnell erkennen das mir das nötige Grundwissen fehlte um diese abzulegen. Es waren Kenntnisse in der "tieferen" Elektronik notwendig, sowie musste man die Kommunikation in Mörsezeichen beherrschen. Im "alleingang" undenkbar, und war nur mit Hilfe anderer Amateurfunker zu bewältigen. Auch herrschte ein gewisser "Gruppenzwang" unter den CB Funkern. Wer vor hat die "Seiten" zu wechseln, galt als "Verräter" der eigenen Gattung und lief Gefahr von der "Gemeinde" ausgeschlossen zu werden.

Natürlich, waren wir auch auf den verbotenen Frequenzen vertreten. Oft schnitten wir mit sogenannten "Exportgeräten" das benachbarte 10m Band des Amateurfunkes an. Für uns galt der Bereich zwischen dem 11m CB-Funk Band und dem 10m Amateurfunk Band, als Gesetz freier Raum. In den Abendstunden "öffnete" sich dort das Band und man konnte ganz Europa auf den illegalen Frequenzen vernehmen. Überwiegend öffnete sich durch den Untergang der Sonne, der Funkverkehr nach Südeuropa, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland ab und an auch nach Nordeuropa, England, Dänemark, Schweden Finnland. Öffnete es sich aber tendierend nach Ost Europa, so war kaum Funkverkehr möglich, aus der ehemaligen Sowjetunion kamen die Signale in einer solchen Stärke an, das Mitteleuropäer kaum eine Chance hatten. Auch wenn wir schon einige Sendeenergie aufwendeten, so waren die Ostsignale um einiges mehr "verstärkt".

Angelehnt an den Amateurfunk wurde dann Funkverkehr mit Kürzeln betrieben, die in allen Sprachen verständlich waren. Ein Beispiel will ich mal nennen, der Kürzel QTH, dieser wird in einzelnen Buchstaben ausgesprochen, meist in englisch. An das QTH wurde, wieder aus dem Amateurfunk übernommenes Locator System angehängt. In meinen Fall ist das JN39TE, also QTH JN39TE.

Man muss sich vorstellen diese QSOs, wieder ein Kürzel und bedeutet "Verbindung", wurden auf der Betriebsart SSB geführt und wurden von unglaublich vielen Störungen überlagert. Zischen, pfeifen, knattern, gar andere Gespräche, QSO, überlagerten die eigene Unterhaltung. Auch die Betriebsart SSB besitzt nur eine moderate Qualität, sie ist schwankend und muss möglichst genau auf den Partner abgestimmt werden. So hört sich der Gesprächspartner oft wie "Micky Maus" oder wie "Wullewatz aus dem Finsterwald" an. Aber egal, es geht ja nicht darum die beste Qualität zu erreichen, sondern eine möglichst weite Strecke zu überwinden, denn das war der Vorteil der Betriebsart gegenüber den qualitativ besseren.

Hätte ich nun versucht, meinen Standort zu übermittel, nach dem System: "Deutschland, Rheinland-Pfalz, Pirmasens" so wäre dies kaum im Klartext bei meinem Partner angekommen. Und wenn, wäre da immer noch die Frage der Sprache die mein QSO Partner spricht zu klären, auf englisch würde das schon so klingen "Germany, Rhineland-Palatinate, Pirmasens". Es wird also immer undurchsichtiger, deshalb OTH JN39TE. Mein QSO Partner sollte über das gleiche Koordinatensystem verfügen wie ich. Er muss somit nur etwas mit dem Finger über die Karte wandern und schon weiß er wo ich mich befinde.

Es wurde dann im besten Fall noch eine genaue Adresse mit Hilfe des Phonetic Alphabet (Alpha, Bravo Charlie usw.) übermittelt. Und Tage oder gar Wochen später kam eine sog. QSL Karte an. Das sind oft liebevoll gestaltete Postkarten, die als Verbindungsbestätigung dienten und die Adresse des Gesprächspartner enthielt und man ebenfalls eine QSL Karte abschickte.

Im Prinzip, betrieben wir Amateurfunk. Nur mit schlechterem und meist illegalem Equipment. Aber das Ziel war das gleiche, nur beim Amateurfunk, organisierter, strukturierter, und hochwertiger. Und einen entscheidender Unterschied gab es noch, Beim CB-Funk war die Devise, ein möglichst weit entferntes QSO zuführen, unter Zuhilfenahme von jedem erdenklichem Mittel, so erreichte auch meine Station schon Sendeleistungen jenseits von 1 KW. Im Amateurfunk ist das genau umgekehrt, die Devise ist, mit möglichst wenig Aufwand, zb. Sendeleistung ein möglichst weit entferntes QSO zu führen.

Bedingt durch die enormen Anforderungen für eine Teilnahmegenemigung am Amateurfunk, grub sich jedoch die gehobenere Klasse das Wasser ab. Und litt enorm unter den entstehenden Nachwuchsproblemen. So ermöglichte die "Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post" kurz Reg TP, ab 1997 den Erwerb einer vereinfachten Anfänger Lizenz. Die Klasse 3 war geboren.

Schnell fand sich eine kleine Gruppe von "Verrätern" zusammen, die dieses Ziel ansteuerte. Natürlich, blieb das nicht den übrigen verborgen und wir wurden genauesten beobachtet, mit Vorfreude auf unser scheitern. Was uns natürlich nur noch mehr anspornte und Energie verlieh. Wochenlang büffelten wir für dieses Ziel. Wollte jemand aus unserer kleinen Gruppe das Handtuch werfen wurde er vom Rest wieder aufgebaut. Es galt einfach "Mut zur Lücke", es mussten "nur" 75% der Fragen richtig beantwortet werden. Drei schriftliche Prüfungen mussten bewältigt werden. Nicht immer gerade leicht, hauptsächlich das mathematische Wissen, kam an seine Grenzen. Meine Kinder waren noch in der Schule, so nutzte ich selbst diese Quelle um bestimmte Formeln für Berechnungen zu entschlüsseln. Aber selbst die Mathematiklehrerin meiner Tochter konnte nur die Backen aufblassen und musste kapitulieren und sie galt als Koryphäe.

"Mut zur Lücke"!

Am 12. Dezember 1998, fanden wir uns alle in der Reg TP Zentrale in Saarbrücken ein und nahmen die Prüfung in Angriff. Und siehe da, wir bestanden alle. Denn erstens wird alles nicht so heiß gegessen wie gekocht (Die Hammerformel wurde nicht geprüft), und zweitens sind 25% mögliche Fehler, echt sehr viel.

Wir mussten trotzdem noch einige Wochen auf die Rufzeichen Zuteilung warten, aber zuhause Stand alles schon bereit um los zu legen. Dann war das ersehnte Schreiben in der Post, erst mal nicht bei mir, aber bei einigen anderen, ahhhh! Zwei Tage später auch bei mir, ohhhh!

Ab jetzt war ich offiziell DO1PX, Inhaber der Klasse 3.

Jetzt muss man wissen Amateurfunk besteht nicht nur aus analogem Funkverkehr. Alle Kommunikationsarten die existieren, gibt es parallel nochmals im Amateurfunk, lediglich auf Funk basierend. Heute kommt viel W-Lan zum Einsatz, vor 20 Jahren gab es das schon im Amateurfunk. Derzeit schwirren ca. 50 Satelliten in einer Erdumlaufbahn. Allesamt, aus Privatmitteln finanziert und durch "Amateure" unterhalten. Das Gebiet ist so vielfältig das es kaum Überschaubar ist. Und darin liegt auch das nächste Problem, man muss sich für einige kleinere Ausschnitte entscheiden, denn alles auf einmal ist schier unmöglich zu betreiben.

Als Inhaber einer Klasse 3 Lizenz war man in den Anfangszeiten eh stark eingeschränkt, was sich bis heute auch sehr erweitert hat.

Mein Haupt Augenmerk lag auf Paket Radio, ähnlich dem Internet, jedoch komplett auf Funk basierend, eben wie heute W-Lan, nur besser smiley. Immer neues Equipment habe ich angeschafft, meine Antennenanlagen komplett selbst gebaut. Dazu gehörte eine 2m und 70cm Yagianordnung mit Elevationsrotor. Damit war es mir möglich Kommunikation mit und über Satelliten und Raumstationen (MIR) zu betreiben, die diese Bänder unterstützten. Aber auch nutzte ich das gut ausgebaute Digipeater Netz und Relais Netz. es war herrlich.

Aber, wie alles, gab es auch Schattenseiten. So verzichtete ich auf so manchen Urlaub oder anderer Investitionen um das doch recht teure Hobby zu erweitern. Auch die Freizeit wurde immer weniger, das Hobby nahm viel Raum ein.

Das geht bei mir bis zu einem nicht absehbaren Punkt, dann macht es Klack, alle Schalter werde umgelegt und nie wieder in Betrieb genommen. Das hatte ich so schon des öfteren in anderen Bereichen erlebt. Dann verschaffe ich mir wieder Luft. So kam es dann auch mit dem Amateurfunk, nach und nach löste sich meine Anlage auf, sie war eh nicht mehr in Betrieb.

Zwar liebäugelte ich ich in den letzten rund 15 Jahren immer wieder damit, aber das Investitionsvolumen war mir einfach zu hoch, ohne zu Wissen ob ich zur alten Freunde zurückfinden würde. Bis ...

... ich durch Zufall auf ein Angebot auf Amazon stieß. Eine Amateurfunkgerät zu einem unvorstellbaren Preis. Ich musste nicht eine Sekunde überlegen und schon klickte meine Maus den Kaufbutton.

Mit samt dem schönen Beiwerk, erwarb ich eine Amateur Handfunke von Baofeng.

Nach ca 2 Wochen trudelten diverse Teile bei mir ein. Das Handfunkgerät Baofeng UV-5R für 26€, das dazugehörige Mikrofon des gleichen Herstellers, für 4,08€ und das USB Programmierkabel ebenfalls von Baofeng für 12€.

Baofeng UV-5R

Also, nun gilt es das Wissen nach 15 Jahren Abstinenz aufzufrischen. Und sich eingehend mit der Technik der kleinen Handfunke zu beschäftigen.

Direkt habe ich mir noch eine kleine Magnetfussantenne bestellt, für sage und schreibe 8,06€. Ich bin gespannt wie viel ich für runde 40€ bekommen habe, in früheren Zeiten, ware eine angehängte null absolut realistisch gewesen. Dabei hätte es sich aber um ein Gerät der unteren Preisklasse gehandelt.

         
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Dietmar_DL4HAO schrieb am 02.02.2017 um 13:00:36 Uhr
Welcome back on the air smiley
vy73 aus dem Norden,
Dietmar, DL4HAO smiley
Uwe schrieb dazu am 02.02.2017 um 18:10:19 Uhr
thx, Dietmar
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